Hauptkritikpunkt der Folksonomy-Gegner: Chaos statt Ordnung
Als Hauptkritikpunkt führen Folksonomy-Gegner an, dass es sich um ein chaotisches Verfahren handelt: Ein einzelner Tag ist nicht Teil einer vorgegebenen Hierarchie, das Vokabular ist nicht kontrolliert, typischerweise werden Gross- und Kleinschreibung gleichgesetzt und Wortbeugungen nicht berücksichtigt. All dies führt zur Vervielfachung der Schlagworte und somit zu Lärm anstelle einer klaren Struktur, wie folgende zwei Tag-Gruppen zeigen: „hund“ „schwarze“ „haare“ versus „hunde“ „schwarzes“ „haar“. Dasselbe Argument gilt bezüglich Mehrsprachigkeit: „chien“ „noir“ entsprechen den deutschen Tags und sind somit redundant. Synonyme wie „schnell“ und „flott“, könnten mit Wörterbüchern normiert werden und gehören damit nicht zur Verschlagwortung. Auch leistungsfähige Suchfunktionen durch Übersetzung der Kategorien, seien aufgrund fehlender Hierarchisierung nicht möglich, Beispiel: Lebewesen ⇒ Tier ⇒ Säugetier ⇒ Hund.
Einigungen als Struktur im Chaos
Den Vorteil einer Folksonomy beschreibt Merholz
,
der die scheinbar chaotische Verschlagwortung mit der Erklärung von
Trampelpfaden über ein offenes Feld vergleicht. Obwohl jeder beim
Überqueren einen eigenen Weg wählen kann und dies zu Beginn auch tut,
ergeben sich über die Zeit eine oder mehrere bewusste Einigungen.
Solche Einigungen werden bei Folksonomies dadurch unterstützt, dass
jedem User bei der Tag-Vergabe diejenigen Tags gezeigt werden, die
bereits von anderen Usern vergeben wurden. Die Wahrscheinlichkeit der
Mehrfachvergabe eines Tags wird dadurch erhöht.
Folksonomy bildet Vielfalt der Suchbedürfnisse ab
Eine sachlichere Begründung, weshalb eine Folksonomy im Vorteil sein kann, erhält man, wenn man den Prozess der Informationssuche durch User betrachtet. Sie formulieren dieselben Informationsbedürfnisse unterschiedlich: „Kälteschutz von Eskimos“ oder „Wie schützen sich Inuits gegen Kälte“. Das gilt auch für Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung wie „der Läufer“, Synonyme wie „billig“ und „günstig“ oder grammatikalische Wortbeugungen wie „schwarz“ und „schwarzes“. Eine Folksonomy bietet dafür einen inhärenten Lösungsansatz: Mit wachsender Anzahl von Tags sollte die Vielfalt der Suchbedürfnisse durch die Vielfalt der User, die Schlagworte vergeben, abgedeckt sein.
Folksonomies erfordern kein Spezialwissen
Ein Effekt von Folksonomies ist, dass Meta-Daten schnell und meist in grosser Menge entstehen. Das liegt daran, dass alle User, die ein Tag anbringen möchten – und sei es nur für das eigene Auffinden – dies problemlos können: Der User muss kein Spezialist sein, der mit einer bestehenden Klassifikation vertraut ist und das Informationselement darin einordnen muss. Im Gegenteil: Tagging ist kognitiv sehr einfach, der User muss nur seine persönliche Einschätzung zum Informationselement ausdrücken 9).
Folksonomies leben länger
Während der Verschlagwortung entsteht typischerweise eine Begriffswelt, die dem aktuellen Sprachgebrauch entspricht. Da eine Folksonomy jederzeit um zusätzliche Tags erweitert werden kann, hat diese Art der Verschlagwortung einen explorativen Charakter und ist in diesem Aspekt stabilen Schlagwortkatalogen überlegen.

Comments (3)
anmelden und mir deinen username bei del.icio.us nennen. und schon geht's los!
Das Ziel ist es eine tag cloud (http://del.icio.us/tag/) von der string-Gruppe zu erstellen.
https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/1532 <-- hier geht's zum addon wo man im browser pages taggen kann! schnell und einfach.
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